Split ungeplant

Split die "Hauptstadt" Dalmatiens.
Leider konnte uns die Dame am Eingang des Nationalparks nicht sagen, ob wir mit dem Boot mittags zurück nach Skradinski buk fahren können. Wir müssten das direkt mit der Besatzung klären.
So vertrieben wir uns die Zeit am Badestrand. Das Boot kam pünktlich und lud die Touristen ab. Mitnehmen wollte uns der Kapitän aber nicht. Platz wäre noch gewesen. Uns blieb somit nichts weiter übrig als den Taxifahrer von Krka-Travel zu kontaktieren. Der Mann versprach uns in 25 Minuten abzuholen, wir warteten 45 Minuten…
Immerhin fuhren wir nun eine andere Route als auf der Hinfahrt und lernten so noch die Ruinen von Burnum kennen, dem Stützpunkt einer antiken römischen Legion.
Es war nun schon Nachmittag als wir am Bahnhof in Knin eintrafen und es war heiß. Was tun? Weiterwandern in Richtung Dinara wollten wir bei der Hitze nicht, in Knin noch mal übernachten aber auch nicht.
Ein Blick auf den Fahrplan am Bahnhofgebäude brachte die Entscheidung. Um 15:15 Uhr, in ein paar Minuten also, fuhr ein Zug nach Šibenik. Wenn wir in Perković umstiegen, hätten wir die Möglichkeit nach Split zu fahren. Dort könnten wir ein paar Tage Pause machen und darauf hoffen das es etwas kühler werden würde. So schnell konnten sich Pläne ändern.
Um 17:40 Uhr waren wir in Split. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb der Stadt im Vorort Stobreč. Der Bus Nummer 60 (Split – Omiš) brachte uns dorthin.

Auf dem Campingplatz in Stobreč.
Der Campingplatz war nicht schlecht. Das Restaurant hatte zwar wegen Corona geschlossen, dafür gab’s aber 10% Rabatt auf die Campingplatzgebühr. Der Platz für die Zelte war zwar etwas knapp bemessen, lag jedoch direkt am Strand. Frei Duschen ging 7 x am Tag. Bäcker und Supermarkt lagen gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite und alle paar Minuten fuhr ein Bus nach Split. Lediglich nachts war es recht laut, da irgendwelche Motorradfahrer zeigen mussten was ihre Maschinen hergaben.
Besonders voll war es nicht auf dem Zeltplatz. Der Tscheche neben uns verbrachte seine Zeit mit Muskeltraining, bis ihn seine Freundin zum Duschen schickte und gegenüber die Frau der holländischen Familie schnauzte erst ihre Kinder an, danach ihren Mann…
Auf Restaurantbesuche verzichteten wir weitestgehend, dafür gab es Konservenwürstchen mit Bohnen von Gavrilović, frischen Salat vom Tommy und Debit-Wein.
Unser Entschluss nach Split zu fahren hatte auch recht praktische Grüne. Zum einen musste ich wieder mal zum Frisör, zum anderen hing der Tragegurt meines Rucksacks nur noch am seidenen Faden, ich brauchte einen Fachmann, der das reparieren konnte…

Was macht denn der da?
Im Iglu-Sportgeschäft in Split gab uns die Verkäuferin am nächsten Tag einen heißen Tipp wo ich fündig werden könnte. Sie hatte dort selbst schon ihren Rucksack reparieren lassen.
Sie erklärte uns so gut es ging den Weg, OSMAND traute ich nicht mehr so recht über den Weg. Auf der Suche nach dem Sportgeschäft hatte es uns wieder mal fehlgeleitet. Dafür landete ich vor einem Frisör. Ich konnte warten und war nach einer halben Stunde meine Barthaare und 70 Kunas los.
Wir fanden die Werkstatt erstaunlich problemlos, nur hatte sie geschlossen. Samstags bis 12 Uhr geöffnet, es war 2 Minuten nach 12…
Nun gut, jetzt war es Zeit Split kennenzulernen. Die nächste Stadtführung war in einer Stunde. Wir vertrieben uns die Zeit bei einem Nobeleiskaffee im Luxor-Nobelhotel – 6,50 EUR.

Der Bereich mit den roten Säulen im Palast war dem Kaiser vorbehalten.
Für rund 22 Euro pro Nase (160 HRK) bekamen wir recht interessante Dinge über Split zu hören. Der römische Kaiser Diokletian (reg. 284 bis 305) hatte hier in Split, damals Spalatum, seinen Ruhesitz. Den Palasthof säumten antike Säulen, rote und weiße. Die weißen kennzeichneten den Bereich, der dem Volk zugewiesen war, der Bereich mit den roten Säulen waren dem Kaiser vorbehalten. Wer wollte konnte sich mit verkleideten römischen Legionären fotografieren lassen. Dort wo sich heute Souvenirläden drängen waren im Mittelalter die Latrinen der Wohnungen. Na ja, es gab auch jetzt meist nur Scheiß zu kaufen…
Schwefelquellen neben dem Fischmarkt sollten Fliegen vom Fisch fernhalten. Weiter ging es durch schmale Gassen wo kaum Licht den Boden berührte. Früher war es ein Ghetto, heute Goldgrube für Immobilienbesitzer…

Am Goldenen Tor des Kaiserpalastes wacht Gregor von Nin. Wer seinen linken Zeh berührt, soll Glück und Gesundheit erlangen.
Hier wurden auch Szenen von „Game of Thrones“ gedreht. Vor dem Goldenen Tor des Diokletianspalastes im Nordosten wacht eine überlebensgroße Statue des Gregor von Nin, einem bedeutenden Bischof im mittelalterlichen Königreich Kroatien. Wer seine linke große Zehe berührt, dem sollte das Leben Glück und Gesundheit bescheren. Entsprechend blankpoliert sah das Teil auch aus. Ob der Zeh des armen Kerls in jetziger Zeit der „Pandemie“ besonders gelitten hatte, konnte ich nicht sagen…
Um sich einen Überblick zu verschaffen, beschlossen wir zum Abschluss den Vrh Marjana zu erklimmen, von seinem höchsten Punkt, dem Telegrin, bot sich ein Panoramablick auf Stadt und Küste.

Blick zum Yachthafen von Split.
Nicht nur Split lohnte es sich anzusehen. Wie uns Prospekte verrieten gab es auch einige interessante Orte in der Umgebung. Einer davon schien Omiš zu sein, ein mittelalterliches Piratennest. Nach unserem Blätterteiggebäck mit Kirsch- bzw. Käsefüllung zum Frühstück starteten wir in Richtung Cetina-Mündung. Dort liegt Omiš, durch den Fluß in den neuen Ortsteil und den alten getrennt.
Von den Narentanern, einem südslawischen Volk, diente der Ort im Mittelalter als Unterschlupf für Piraterie in der Adria. Besonders auf die Venezianer hatten sie es abgesehen. Eine künstlich errichtete Blockade in der Cetina-Mündung (Mostina) verhinderte, dass große Schiffe den Fluss hinauffahren konnten und somit zu einer Bedrohung für die Bewohner des Ortes werden konnten.

Die Festung Mirabella aus dem 13. Jahrhundert.
Zwei Burgen prägen Omiš, die Festung Mirabella (30 HRK) und die Festung Starigrad (20 HRK). Wobei sich erstere recht einfach ersteigen ließ, stellte der Besuch der zweiten Festung eine gewisse Herausforderung dar. Zumal, wenn man mit Strandsandalen unterwegs war…
Auf steilen Bergpfaden und über scharfes Geröll erreichten wir doch die Bergkante auf der sich das Bauwerk befand. Markierungspfeile auf einem Stein wiesen in zwei Richtungen. Links stand „hard“, rechts stand „easy“. Wir hatten es auf die harte Tour versucht. Der Blick hinunter auf die Stadt und die Küste entschädigte jedoch etwas für die Anstrengungen. Von hier war sogar die Blockade in der Cetina erkennen.

Von hier ist sogar die Blockade in der Cetina erkennen.
Für den Abstieg wählten wir die einfache Variante, die sich als nicht wesentlich einfacher entpuppte. Das erste Restaurant, dem wir im Ort begegneten war unseres…
Am Montag galt unser erster Besuch der Rucksackwerkstatt. Der ersehnte Fachmann war eine Fachfrau… Sanja schaute sich den Rucksack an und versprach ihn bis morgen zu reparieren. Dumm war nur, wir wollten morgen zurück nach Knin fahren und hatten bereits die Fahrkarten gekauft.
Schließlich einigen wir uns auf heute Abend um 19 Uhr. Genug Zeit, um einen weiteren Ort zu besuchen, der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört – Trogir.

Trogir zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Bus Nummer 37 fährt von Split nach Trogir (21 HRK). Die Altstadt auf einer Insel besticht aufgrund ihrer alten Bauten. Leider herrscht hier ein ausgesprochener Touristennepp. Die engen Gassen sind verschandelt durch Souvenirläden und Restaurants mit Kitsch und überteuerten Angeboten. Für Anne ein typischer Nichtort…
Wir folgten dem Tipp von Nikolai unseres Stadtführers von Split und fuhren nicht mit dem Bus zurück sondern nutzten die Fähre. Der Preis war etwas höher als auf der Hinfahrt, der Seegang auch. Gegenüber am Küstengebirge stand ein ganzer Berghang in Flammen. Dichte Qualmwolken ziehen herauf. Drei Löschflugzeuge waren im Einsatz. Meine Vermutung bestätigte sich, Waldbrände scheinen hier die größte Gefahr beim Wandern zu sein.
Mein Rucksack war wie versprochen fertig. 120 HRK (16,50 EUR) kostete die Reparatur. Die Gurthalterung war wie neu. Es konnte wieder in die Berge gehen…
Oluja
Der Zug zurück nach Knin fuhr um 14:27 Uhr. Wir konnten in aller Ruhe unser Zeug zusammenpacken, noch einmal in die Fluten springen und uns von unserem neuen Zeltnachbarn, einem maskenlosen Deutschen verabschieden. Gegen 12:00 Uhr checkten wir aus. Bus Nummer 27 brachte uns diesmal nach Split.
Ein Tintenfischsandwich mit Ožujsko vom Fass zum Mittag an einem Fastfood-Stand vorm Bahnhof musste reichen.
Der Zug fuhr pünktlich ab und kam auch pünktlich an. Kaum hatten wir den schützenden Bahnhof verlassen trieb uns ein Gewitterschauer in die nächstbeste Kneipe. Zum Glück dauerte das Unwetter nicht lang.

Gewitterwolken türmen sich hinter der Kirche Unserer Lieben Frau (Gospina Crkva).
Da wir ja nun bestens informiert waren, versuchten wir uns Glück bei der Zimmersuche erst mal im „Tri Lovca“ (Drei Jäger). Doch Fehlanzeige, der Laden war komplett ausgebucht. Aber auf einem Grill drehten sich Spanferkel am Spieß. Auch am Kreisel in der Pizzeria Šime & Joso, die auch Zimmer vermietete, gab es nichts mehr. Es wollte mir nicht in den Schädel, dass in einer Stadt wie Knin alle Unterkünfte ausgebucht waren. Da stimmte doch irgendwas nicht!
Uns blieb nichts weiter übrig, als erstmal wieder an den Stadtrand zu laufen und unser Glück im Hotel Ivan zu suchen. Auf der Hauptstraße kamen uns Soldaten im Gleichschritt entgegen. Die Häuser links und rechts waren mit der kroatischen Nationalflagge geschmückt.
Auch vor dem Hotel Ivan standen viele Autos, alle mit Zagreber Kennzeichen. Doch wir hatten Glück. Ivan hatte diesmal auf und wir bekamen ein Zimmer für 550 HRK. Außerdem erfuhren wir, dass morgen am 5. August in Kroatien Nationalfeiertag war. „Der Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit“ erinnert an die kroatische Militäroffensive „Oluja“ vom 4. bis 7. August 1995, während dieser das von den Krajina-Serben proklamierte Gebiet „Republik Serbische Krajina“ zurückerobert wurde. Dabei wurde auch Knin als Hauptstadt der Serbischen Krajina erobert. Morgen hat das Ereignis sein 25-jähriges Jubiläum.
Ursprünglich wollten wir morgen in Richtung Dinara wandern, doch jetzt waren wir neugierig. Das Ereignis wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Feierlichkeiten zum Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit und dem Veteranentag am 5. 8. 2020 in Knin.
Das ganze Bahnhofsgelände war am nächsten Morgen abgesperrt. Polizei kontrolliert die Zugänge. Der offiziellen Veranstaltung dürfen offensichtlich nur ausgesuchte Personen beiwohnen. Wir vermuteten das auch da Corona seine Finger im Spiel hat.
Vor den Polizisten hatten sich Demonstranten versammelt, darunter meist Kriegsveteranen der HOS (Hrvatske Obrambene Snage – Kroatische Verteidigungskräfte). Ihr Kampfspruch „Za Dom Spremni“ – „Für die Heimat bereit“ prangte auf den T-Shirts. Zwar wurzeln die Worte tief in der Geschichte der Kroaten noch aus der Zeit durch die osmanische Bedrohung, wurden aber auch von den Kämpfern der faschistischen Ustascha im 2. Weltkrieg benutzt. Auch die Bataillonsfahnen ließen diesen Bezug erkennen – IX. Bojna Rafael Vitez Boban (IX. Bataillon Rafael Ritter Boban) aus Split. Boban war ein Offizier der Ustascha-Miliz.
War die HOS nun verboten oder nicht? So richtig schlau wurden wir da nicht draus. Als der offizielle Teil der Feierlichkeiten beendet war und die Polizei die Straße öffnete, begrüßten sich Angehörige der Armee und der HOS. Kampfflieger donnerten derweil über die Stadt. Anschließend marschierten alle unter Gesang zum Bahnhof. Am Siegesdenkmal „Oluja 95“ (Spomenik „Oluja 95“) vor dem Bahnhof wurden schließlich Fotos gemacht, Kränze niedergelegt und der Gefallenen gedacht.

Feierlichkeiten zum Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit und dem Veteranentag am 5. 8. 2020 in Knin.
Die Damen in der Touristeninfo verschenkten Mineralwasser (Cetina), was bei dieser Hitze eine gute Idee war. Am Nachmittag war ganz Knin nicht mehr wiederzuerkennen. Alle Kneipen, Pizzerien oder Cafés platzten aus den Nähten. Rocker in Lederkluft und Kriegsveteranen mit Orden dekoriert, Soldaten in Uniform und Zivilisten in Oluja-T-Shirts, alle hockten dicht an dicht – zusammen im Krieg, zusammen im Frieden. Im „Tri Lovca“ gab es Spanferkel und Lamm am Spieß. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Musik und Gegröle, die Kellner und Kellnerinnen stressten hin und her. An Mindestabstand und Masken dachte da keiner mehr – Corona war vergessen…
Auf einem Umweg über die Karstquelle Crno Vrelo (Schwarzen Quelle), unserer 4. Karstquelle, gelangten wir am Abend zurück ins Hotel. Morgen sollte es nun endlich zur Dinara gehen.
Wind von der Dinara
Die Gipfel der Berge steckten in dichten Wolken und es war nicht mehr so heiß wie die letzten Tage. Gutes Wanderwetter sozusagen. Nur ein paar Meter neben dem Hotel verläuft die Via Dinarica. Es ging ein kleines Stück auf einer schmalen Asphaltstraße bis zu einem Wegweiser der in die richtige Richtung wies – zum höchsten Berg Kroatiens, der Dinara (1831 m).

Zum höchsten Berg Kroatiens nach rechts.
Ein kurzes Stück danach gab es noch einmal die Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Unsere Flaschen hatten wir aber schon im Hotel gefüllt.
Auf einem schmalen Bergpfad, dem Oluja-Weg (Put Oluje), ging es stetig höher. Auf einer plateauartigen Hochebene (Suvo polje) empfing uns starker Wind. Der Name des Weges war durchaus passend. Das ganze Gebiet war spärlich bewachsen, meist Wacholder und Kiefern.
Weiter ging es auf einer Forststraße in Richtung Brezovac. Brezovac ist eine kleine Ansammlung von Wochenendhäusern im gleichnamigen Hochtal, etwa 5 km von der bosnischen Grenze entfernt. In einem Buchenwäldchen befindet sich dort eine Berghütte, die Planinarska kuća Brezovac.

An der Planinarska kuća Brezovac.
Die Hütte war, wie üblich, abgeschlossen. Selbst die Zisterne war verriegelt. Die nächste Möglichkeit an Trinkwasser zu gelangen war laut unserer Karte eine Notunterkunft auf der anderen Seite der Dinara, die Martinova Košara. Wie es schien stand uns heute wieder ein langer Wandertag bevor.
Ab der Hütte ging es durch Wald. Der Weg war aufgrund umgestürzter Bäume teilweise abgesperrt.
Ab einer Höhe von 1250 m blieb der Wald hinter uns. Der Wind gewann an Kraft je höher wir stiegen. Kurze Regenschauer und Sonnenschein wechselten sich ab. Wir machten uns wetterfest. In einem kleinen Sattel kurz bevor der Weg zum Massiv des Hauptgipfels kletterte, wies ein nagelneuer Wegweiser zu einer Biwak-Hütte (10 Minuten), die noch nicht auf unserer Karte verzeichnet war, die Sklonište Zlatko Prgin.

Die nagelneue Sklonište Zlatko Prgin.
Die Hütte stand in mitten gedrungener windgepeitschter Buchen und sah auch nagelneu aus. Sie hatte eine provisorische Zisterne in Form eines Plastikfasses randvoll mit Wasser. Da es mittlerweile nicht mehr windete sondern stürmte und donnerte, beschlossen wir hier zu biwakieren. Der Gipfel würde uns nicht davonlaufen…
Die Hütte hatte einen Bollerofen, einen Tisch und eine Bank, alles nötige um abzuwettern. Im Obergeschoss konnten wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausbreiten. Wir genossen unseren Feierabendkaffee mit Gewitterwasser und waren uns einig, das System der Notunterkünfte in Kroatien war genial.
Laut Wetterbericht sollten heute Windböen mit bis zu 60 km/h über den Gipfel toben. Gestern waren es 40 bis 50 km/h. Morgen soll es besser werden. Die Entscheidung hier gemütlich auszuharren viel uns nicht schwer.

Das Dinara-Massiv gab seinen Namen dem gesamten Gebirgsverlauf von Slowenien bis Albanien - die Dinariden.
Anne widmete sich ihrem ebook-Krimi, ich erkundete die Umgebung. Mittags wurde es freundlicher. Ein kroatisches Pärchen kam von Mirković herauf und wollte zum Gipfel. Sie ließen ihre Rucksäcke da und begannen den Aufstieg. Nach rund einer Stunde traf noch ein Pärchen ein, auch sie waren in Mirković gestartet und waren gerade auf dem Gipfel.
Wir tranken zusammen einen Kaffee und sie ließen etwas Wasser und Orangensaft da. Der Aufstieg verläuft größtenteils im Windschatten, nur oben würde es dann wieder ordentlich blasen, erfuhren wir. Aber das wäre hier normal, es gibt sogar ein Lied vom Wind auf der Dinara (Vjetar s Dinare). Und ein Sprichwort zur Bora besagt: Auf der Dinara wird sie geboren. Ich hoffte, dass wir morgen mit unseren großen Rucksäcken nicht zu arg durchgeschüttelt wurden…

Wolkenfetzen über den Bergen.
Peruca self-made Camping
Sturm! Die ganze Hütte bebte am morgen. Jeden Augenblick fürchteten wir, dass sich unser Hüttendach verabschieden würde. Sollen wir absteigen oder noch warten?
Die Entscheidung wurde uns beim Frühstück abgenommen – Windstille! Als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte. Echt verrückt dieses Wetter hier!

Aufstieg zum Gipfel der Dinara, noch im Windschatten.
Als wir unsere Rucksäcke gepackt hatten, nahm der Wind wieder zu. Wir stiegen trotzdem auf. Wir konnten schon ein kleines rotes Türmchen erkennen, dort musste der Gipfel sein. Aber die Böen waren dermaßen heftig, dass es mich aus dem Gleichgewicht brachte. Mit Rucksack keine Chance!
Sollen wir ohne Rucksack zum Gipfel und wieder runter?
Die Frau vom gestrigen Pärchen, hatte Anne erzählt, dass sie querfeldein unterhalb des Türmchens den Hang hochgekraxelt waren. Dort sei es einigermaßen windgeschützt. Wir verließen den Kamm und stiegen zurück in eine Senke, um anschließend den Rat der Dame zu befolgen.
Es klappte erstaunlich gut. Wir erreichten den Gipfel direkt am Türmchen, stellten dort unsere Rucksäcke ab und liefen gegen den Wind gestemmt zum Gipfelkreuz.

Das Gipfeltürmchen der Dinara erinnert mich an den Gipfel des Triglav.
Lange hielten wir uns nicht auf, auf dem höchsten Berg Kroatiens, der nicht nur einem ganzen Gebirge auf dem Balken seinen Namen gab – den Dinariden, sondern auch in einigen Balkanländern das Zahlungsmittel titulierte.
Ein Wegweiser unweit des Gipfeltürmchens wies uns den Weg in Richtung Martinova Košara, wir folgten ihm. Dichtes Latschendickicht umgab uns von beiden Seiten, ein hervorragender Windschutz!
Ein Blick zurück zum Gipfel lässt uns erkennen, dass wir nicht mehr allein sind. Zwei Trailrunner joggen über den Bergrücken. Ein älterer Herr recht leicht und locker, der jüngere etwas vorsichtiger. Bald hatten sie uns überholt und verschwanden zwischen Fels und Geröll unseren Blicken.
Je tiefer wir kamen, desto schwächer wurde der Wind. Sogar die Sonne schaute wieder hinter den Wolken hervor und in der Ferne leuchtete der Stausee Peruca.

In der Ferne leuchtet der Stausee Peruca.
Die Schutzhütte ließen wir links liegen und bogen gleich auf den Weg ein, der nach Glavaš führt. Die erste längere Pause gönnten wir uns an der ersten Quelle auf dem Weg – Gornji Bunar. Wasserwechsel war angesagt! Frisches Quellwasser ist halt doch was anderes als abgestandene Zisternenplörre…
Ein Stück weiter bergab, tauchte links eine Höhle auf, die Crvena pećina. Hier ließ es sich nicht nur abwettern sondern der Raum war auch groß genug zum Biwakieren. Oberhalb des Dorfes Glavaš thront die Festung Dinarić (Glavaš), oder besser die Reste von selbiger. Ein Blechcontainer am Dorfrand von Glavaš entpuppte sich bei näherer Betrachtung als die Schutzhütte Planinarska kuća Glavaš (abgeschlossen). Da würde ich die Höhle mit Sicherheit vorziehen…

In der Crvena pećina lässt es sich nicht nur abwettern, der Raum ist auch groß genug zum Biwakieren.
Ab dem Dorf wurde der Weg etwas abenteuerlich. Die Markierung zeigte sich nur noch selten und wir mussten durch kniehohes Dornengestrüpp laufen. Den Strommasten folgend erreichten wir wieder einen Forstweg der uns ins Dorf Milaši brachte. Unter einem Baum am Straßenrand auf einer Bank saß eine Oma mit ihrem Enkel. Die Oma fing an zu erzählen, der Enkel übersetzte. So erfuhren wir, dass sie früher an den Berghängen der Dinara Schafe gehütet hatte. Heute gibt es aber keine Schafe mehr.
Am Dorfrand erhob sich ein neuer Kirchenbau, serbisch orthodox dem Aussehen nach. Und unterhalb der Kirche erwartete uns unsere fünfte Karstquelle in Form eines smaragdgrünen klaren Bergsees, die Izvor Cetine. Am See, auch Milaševo Jezero genannt, sonnten sich Menschen. Das schien auch für uns ein gutes Plätzchen zu sein, um zu entspannen.
Multilinguale Wortfetzen drangen auf uns ein. Kroatisch, Englisch, Russisch, Deutsch. Die meisten hockten am Ufer, nur ein paar Mutige wagten sich ins Wasser. „Das Wasser ist ok, die Temperatur Scheiße.“ kommentierte einer der Badegäste seinen Kontakt mit dem feuchten Element.

Die Izvor Cetine, auch Milaševo Jezero genannt.
Zwar war das Wasser glasklar aber unsere Trinkflaschen wollten wir hier trotzdem nicht auffüllen. Ein Schild an der Straße mit der Aufschrift „Vrelo“ suggerierte uns, dass es hier noch eine Quelle geben musste. Die Quelle fanden wir zwar nicht, dafür gab es ein ausgiebiges „Dinner for two“.
Ein paar Kroaten machten gerade Picknick am Bach und boten uns ihre kulinarischen Leckereien an – Ćevapčići, Fleischspieße, gebratenen Speck und Steaks. Es fehlte nur noch ein passender Trunk dazu. Aber egal, Wasser tat’s auch.
Jetzt kannten wir den Anfang der Cetina und ihr Ende, fehlte nur noch das was dazwischenlag. Den ersten Zwischenstopp legten wir an einer alten Kirche ein, laut Anne frühchristlichen Ursprungs.

Die Kirche der hl. Erlösung befindet sich inmitten eines mittelalterlichen Friedhofs aus dem späten 9. Jahrhundert.
Die Kirche der hl. Erlösung befindet sich inmitten eines mittelalterlichen Friedhofs aus dem späten 9. Jahrhundert. Die Grabkreuze erinnerten mich teilweise an jene, die ich auf dem Friedhof an der Zrmanja-Quelle gesehen hatte. Leider ist die Kirche nur noch eine Ruine und auch die Infotafel ließ sich nicht mehr komplett entziffern.
So langsam wurde es Zeit, sich nach einem Biwakplatz umzusehen. Wo die Straße die Cetina überquert, hätte man am Ufer sein Zelt aufbauen können. Zwei Dinge störten, Schafsköttel und ’ne Gruppe alter Suffköppe die sich am Straßenrand langweilten. Neben der Straßenbrücke überquert eine Brücke den Fluss, die aus alten Grabsteinen des mittelalterlichen Friedhofs errichtet wurde.

Neben der Straßenbrücke überquert eine Brücke die Cetina, die aus alten Grabsteinen des mittelalterlichen Friedhofs errichtet wurde.
Wir beschließen weiter zu laufen und mal den Daumen raus zu halten. Nach wenigen Metern hielt ein Kleinbus. Eine Familie aus München mit Hund war auf dem Weg zu einem abgelegenen und wenig bekannten Campingplatz am Stausee Perućko jezero. Wir nahmen das Angebot an und fuhren mit.
Die Münchner wollten ursprünglich nach Albanien, hatten ihre Pläne jedoch wegen Corona aufgegeben. Bosnien soll seine Grenzen geschlossen haben und wer von dort, aus Albanien oder Montenegro zurück in die EU wollte, musste in Quarantäne, sagten sie uns…
Das mit Bosnien klang nicht gut, aber darüber wollten wir uns zu gegebener Zeit den Kopf zerbrechen. Jetzt ging es erst einmal auf den geheimnisvollen Campingplatz. Camping Peruca stand auf einem Schild als wir auf eine schmale Schotterstraße einbogen.
Der Campingplatz gehört einem Österreicher und besitzt zwei Besonderheiten, die Lage direkt am Stausee und es ist ein reiner self-made-Campingplatz. Die Rezeption befindet sich in einer Telefonzelle. Auf einem Stapel liegen die Registrierungsformulare, die man ausgefüllt und mit dem entsprechenden Obolus (passend) in einen Briefumschlag steckt und in eine Box in der Telefonzelle wirft. Irgendwie erinnerte mich das an Harry Potter!

Um zu baden, mussten wir uns erstmal durch zentimeterdicken Schlamm wühlen.
Für das leibliche Wohl sorgten Bierdosen in einem Getränkeautomaten. Die Sanitäreinrichtungen waren top sauber! Wir konnten unser Zelt aufbauen wo wir lustig waren. Einziger Wermutstropfen – der Stausee führte extrem wenig Wasser. Um zu baden, mussten wir uns erstmal durch zentimeterdicken Schlamm wühlen. Immerhin ist die Wassertemperatur deutlich bekömmlicher als an der Cetina-Quelle…
Am Abend hockten wir uns zu unseren Campingnachbarn, einer Familie aus Freudenstadt im Schwarzwald, auch mit Hund. Sie waren in Elternzeit und wollten reisen bis das Geld alle ist. Bei einem Bierchen fachsimpelten wir (Anne deutlich mehr) bis es dunkel wurde über Hundedressur und das Reisen mit kleinen Kindern…
Das Ende
Um wieder auf die Via Dinarica zu gelangen, müssten wir etwa 7 km zurück in die Richtung laufen aus der wir gestern gekommen sind. Anschließend folgt der Wanderweg der Straße, die an der Ostseite des Stausees entlangführt. Das schien uns wenig sinnvoll.
Wir entschieden uns auf der D1 nach Sinj zu trampen. Bis zur D1 waren es etwa 2,5 km auf Nebenstraßen. Durch Sinj führt der „Pfad der Muttergottes von Sinj“ (Staza Gospi Sinjskoj), ein Pilgerweg der in Solin (bei Split) beginnt und in Rama (BiH) endet. Von Sinj könnten wir auf dem Pilgerweg bis Otok laufen. Dort trifft der Weg auf die Via Dinarica und gemeinsam führen sie zur bosnischen Grenze. So der Plan.
Wir brachen recht früh auf. Bereits kurz hinter dem Campingplatz hielt ein Auto. Ein älterer Mann nahm uns das Stück mit bis zur Hauptstraße, er fuhr in die andere Richtung.

Wir hockten uns an einer Bushaltestelle an den Straßenrand und versuchten unser Glück.
Wir hockten uns an einer Bushaltestelle an den Straßenrand und versuchten unser Glück. Doch das schien uns verlassen zu haben. Nach einer Stunde fragte Anne eine alte Frau die vor ihrem Haus im Garten werkelte, ob ein Bus fahren würde. Wir verstanden nur, dass wegen Corona keiner fuhr. Wir beschlossen zu laufen.
Der Verkehr nervte und es war heiß. Wir waren kurz vorm Aufgeben. Über 2 Stunden waren wir unterwegs und 7,5 Kilometer steckten uns in den Beinen, als plötzlich ein Auto hielt. Es war wieder eine Frau wie damals nach Knin. Die Dame war unterwegs nach Tomislavgrad, das liegt bereits in Bosnien. Planänderung! Sie würde uns bis zur Grenze nach Kamensko mitnehmen.
Für Kroaten gäbe es keine Einschränkungen an der Grenze zu Bosnien, meinte die Frau. Sie war recht zuversichtlich, da wir schon so lange in Kroatien sind. Zweimal hatten wir schon Glück gehabt an den Grenzen zu Slowenien und Kroatien – aller guten Dinge sind drei.
Doch es kam anders! Die Kroaten schauten nur kurz auf die Ausweise, dann winkten sie uns durch. Der bosnische Grenzer wollte den PCR-Test sehen. Unsere Fahrerin fing an mit dem Mann zu diskutieren, aber es half nichts. Wir mussten aussteigen, bekamen unsere Auswiese und durften wieder zurück zur kroatischen Passkontrolle gehen. Kroaten und Bosnier aus Deutschland durften passieren. Wir hatten den falschen Pass. Mit Corona hatte das nichts mehr zu tun!
Die Bosnier ließen uns nicht rein und wenn die Kroaten jetzt sagen wir kommen aus Bosnien und müssen in Quarantäne wäre das der Hauptgewinn, dachte ich mir.
Doch es gab keine Probleme, nur dass wir jetzt etwas ratlos wieder in Kroatien hockten. Etwa 1 km unterhalb des Grenzübergangs hatte ich ein Schild gesehen zu einem Restaurant, „Alkar“ stand rauf. Wir schlenderten mal in die Richtung. Direkt an dem Restaurant führte die Via Dinarica vorbei. Es wurde unser letzter Kontakt mit ihr.
Bei Bier und Tonic überlegten wir wie es nun weitergehen sollte. Einen Test würden wir sicher nur in Split machen lassen können. Aber wäre das sinnvoll?
Der Test durfte nicht älter als 48 Stunden sein. Viel Zeit hatten wir da nicht, aber es wäre machbar. Blöd wäre es dagegen wenn der Test positiv sein würde. Ganz ausschließen konnten wir das nicht. Es gab ja die berüchtigten falsch-positiv Ergebnisse. Aber es gab auch die Feiern in Knin. Was, wenn wir richtig-positiv waren? Covid-19 verlief ja recht häufig symptomlos, wie man so hörte. Das würde 14 Tage Quarantäne in einem Hotel bedeuten und das wiederum würde bedeuten, dass es unsere Reisekasse ruinieren würde.
Außerdem, wie sah es an den Grenzen zu Montenegro und Albanien aus? Würde sich das gleiche Spiel dort wiederholen? Gut, Montenegro war noch offen, aber dort gab es lokale Lockdowns wie wir gelesen hatten. Da könnte es passieren, man wacht morgens auf und befindet sich plötzlich in Quarantäne. Und wie würde unsere Rückreise aussehen? Wer weiß welche Gängeleien noch so ausgebrütet wurden…
Das einzig Sinnvolle schien uns in der EU zu bleiben und von Kroatien aus machte für uns im Moment nur ein Land Sinn – Italien. Wir könnten nach Dubrovnik fahren und von da mit der Fähre nach Bari übersetzen. Das klang nicht so schlecht. Doch erstmal mussten wir zurück nach Sinj.
Diesmal hielten wir nicht den Daumen raus. Anne frage ein Paar die gerade auf dem Parkplatz vor dem Restaurant standen, ob sie nach Sinj fahren. Das war tatsächlich ihr Ziel und wir durften mit. Die Beiden kamen aus Bosnien und wollten sich in Sinj Reiterspiele ansehen, die heute dort stattfanden.
Ob wir nicht Angst vor Corona hätten, wollten sie wissen. Na ja, vor dem Virus oder der Krankheit sicher nicht, nur vor dem was daraus gemacht wurde…

Zuletzt die Wettkampfteilnehmer, die sogenannten Alkare auf ihren Pferden.
Die Reiterspiele, Sinjska Alka (Alka von Sinj) genannt, waren das Ereignis in der Region Cetinska krajina. Na wenn man bedenkt, dass auch von jenseits der Grenze Besucher kommen, dann hat die Alka schon einen internationalen Ruf.
Die Alka wird zu Ehren der Muttergottes abgehalten, die den Verteidigern von Sinj 1715 gegen die Osmanen zu Hilfe gekommen sein soll.
Der eigentliche Wettkampfort war abgesperrt und für unsereins nicht zugänglich. Aber in der Stadtmitte fand ein Umzug statt, bestehend aus Musikanten, den Teilnehmern am Wettkampf den sogenannten Alkare auf ihren Pferden und Männern zu Fuß in historischen Kostümen.

Männer zu Fuß in historischen Kostümen.
Auch die Besucher hatten sich herausgeputzt, besonders die Damenwelt wie ich bemerkte…
Eines der Pferde bockte, so dass sein Reiter immer wieder absteigen und das Vieh an den Zügeln führen musste…
Der Wettkampf selbst wurde per Video an jeder Ecke übertragen. Im vollen Galopp mussten die Reiter mit einer Lanze einen Doppelring treffen, der viergeteilt war. Immer wenn einer die Mitte erwischte hallten Kanonenschüsse von der Burg über der Stadt herunter.
Auf der einen Seite hatten wir wieder großes Glück genau an so einem Festtag in Sinj aufzukreuzen, auf der anderen Seite war es wieder recht problematisch eine Unterkunft zu finden. Lediglich das Hotel Alkar hatte noch ein Zimmer frei, das teuerste (100 EUR) selbstverständlich…

In Sinj, lediglich das Hotel Alkar hat noch ein Zimmer frei.
Am Abend war in Sinj Volksfest. An Spießen drehten sich Ferkel und Lämmer. Die Kleinsten tobten sich an einer Seilrutsche aus. Von einer Kapelle dröhnte Tanzmusik herüber. Abstandsregeln und Maskenpflicht waren Fremdwörter.
Am Montag war Sinj wie verwandelt, die Straßen leer kaum ein Mensch unterwegs. Die Grillstände und Verkaufsbuden alle verhüllt oder bereits verschwunden. Von der Burg sahen wir am Horizont das Čvrsnica-Gebirge in Bosnien. Nun würde es stattdessen morgen mit dem Bus nach Split gehen.
Dubrovnik
Die Fahrt nach Split dauerte eine Stunde, um 10 Uhr morgens ging es los. Dort hatten wir 2 Stunden Zeit bevor es um 13:15 Uhr mit etwas Verspätung weiter nach Dubrovnik ging.

Dubrovniks Altstadt.
Kurioserweise kamen wir nun doch noch nach Bosnien und Herzegowina. Die Straße nach Dubrovnik durchquert bei Neum bosnisches Staatsgebiet. Im Mittelalter schenkte die Republik Ragusa den Osmanen diesen Teil des Landes und erreichten auf die Art einen Schutz vor den Venezianern.
Die geplante Brücke Pelješki most, die dieses Gebiet umgehen wird, soll erst 2022 fertig sein. An der Grenze wurden wir von den Kroaten kontrolliert, sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise. Die Bosnier schien das nicht zu interessieren. Der Bus hielt sogar hinter Neum und einer der Fahrgäste verabschiedete sich. Na wenn wir das gewusst hätten…
Um 18:15 Uhr erreichten wir den Busbahnhof Dubrovnik am Fährhafen. Da laut der Dame von der Info kein Bus zum Campingplatz Solitudo Sunny Camping fuhr fuhren wir mit dem Taxi. Hier galt Maskenpflicht!
Zwei Drittel des Platzes waren geschlossen und auch der Rest nur zur Hälfte belegt. Wir durften uns einen Platz aussuchen und das Wasser zum Baden war wohltemperiert.
Die erste Handlung am nächsten Tag war herauszufinden wann die Fähre nach Bari fuhr. Laut der Dame im Fährbüro, jeden Freitag um 22 Uhr. Wir buchten gleich mit Kabine (Nummer 274) ohne Fenster. Nachts gabs eh nichts zu sehen.
Die Altstadt begrüßte jeden Besucher mit einem Corona-Transparent, wo den Leuten korrektes Verhalten vermittelt wurde: Abstand halten, Maske tragen, Pfoten waschen…

Hände waschen nicht vergessen...
Wir ließen uns erst mal die Stadt zeigen (90 HRK), zusammen mit dem Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland und seiner Frau. Abstand zu halten viel nicht sonderlich schwer. Laut unserem Stadtführer waren zurzeit nur 20% der sonst üblichen Besucher in der Stadt. Manchmal hatte die Corona-Panik auch Vorteile…
Wir begannen unseren Stadtbummel entlang des Stradun, der Hauptstraße in der Altstadt, wo uns unser Guide das dubrovniker Sicherheitsmanagement erläuterte. Die Häuser hatten keine Balkone, da diese den Bewohnern bei einem Erdbeben auf den Kopf fallen würden und hier soll es öfters mal beben.
Weiterhin befanden sich die Küchen im Obergeschoss, da diese im Mittelalter häufig brannten, wurde nicht das gesamte Haus Opfer der Flammen sondern nur der obere Teil. Meist lebten in dieser Straße reiche Goldschmiede und jüdische Händler. Gehandelt wurde in der Republik Ragusa, wie Dubrovnik früher hieß, nicht nur mit Gold vor allem auch mit Mineralen und Salz.
Auch das Klimamanagement der Dubrovniker war recht ausgeklügelt. Verliefen doch die Hauptstraßen in Ost-West-Richtung. Damit wehte immer ein kühles Lüftchen durch die Stadt, vormittags aus Osten, nachmittags von Westen.
Vom Palača Sponza (Sponza-Palast) ging es die Ulica Pred Dvorom entlang, vorbei am Gradski zvonik (Glockenturm), dem Knežev dvor (Rektorenpalast) bis zur Kathedrale von Dubrovnik.
Der Glockenturm schlug wie der in Sinj zweimal. Das erste Mal 3 Minuten vor der vollen Stunde. Extra für die, die die Zeit beim nach dem ersten Mal wieder vergessen hatten.

Wenig los am Knežev dvor.
Im Rektorenpalast saß im Mittelalter die Obrigkeit der Republik Ragusa. Der Rektor war sowas wie der Regierungschef und regieren durfte er nur einen Monat lang, dann wurde neu gewählt. Das Ziel dieser Maßnahme – Korruptionsvermeidung! Das täte einigen Regierungen und Vorständen auch heute gut, fand ich. Im Keller des Palastes befand sich der Kerker, auch eine praktische Maßnahme, die den Rektor immer daran erinnern sollte, dass er der Gemeinschaft dient.
Die Kathedrale ist der Sitz des Bischofs von Dubrovnik. Dieser hatte im Rektorenpalast nichts zu suchen. Praktische Trennung von Staat und Kirche…
Einzig die Preise konnten sich sehen lassen. Bierpreise von 38 bis 42 HRK (über 5 EUR) für 0,4 l. Da ging ich gerne an den Kiosk vor den Toren der Altstadt und zahlte nur 20 HRK für 0,5 l. Aber es gab auch hier eine Ausnahme, wie unser Stadtführer versicherte. Er empfahl das Restaurant Buffet Kamenice. Hervorzuheben sei hier besonders der jugoslawische Charme der Kellnerinnen. Doch die Muscheln waren sehr gut!
Die Stadt von oben zu fotografieren gestaltete sich etwas schwierig, da das Gebiet ringsum doch recht verbaut war. Aber wir fanden doch noch ein Schlupfloch mit wilder Natur.
Mit einem Aperol der gehobenen Klasse (79 HRK über 10 EUR) am Stradun beendeten wir unseren Altstadtbesuch von Dubrovnik. Das musste auch mal sein…
Heute würden wir Dubrovnik und Kroatien verlassen. Anne holte noch einen Übernachtungsrabatt heraus, dann ging es mit Rucksack zum Strand. Irgendwie mussten wir die Zeit rumkriegen.
In der Nähe des Hafens gibt es das Red History Museum (Muzej crvene povijesti) (100 HRK). In mehreren Ausstellungsräumen wird dem Besucher das Leben im sozialistischen Jugoslawien nähergebracht.

Roter Yugo im Red History Museum.
Die Wohnraumeinrichtung erinnerte mich irgendwie an die meiner Kindheit, so anders war es bei uns auch nicht. Anne durfte sich hinter das Lenkrad eines Yugos setzen und ich bekam eine Flasche Cockta (Jugo-Cola) und Pipi (jugoslawische Orangenlimonade).
Die Boarding-Time rückte näher, es wurde Zeit zum Schiff zu gehen. Die Via Dinarica hatte sich auf jeden Fall gelohnt und vielleicht werden wir den Weg irgendwann zu Ende gehen.
Zu Italien gibt es nicht viel zu sagen. Wir besuchten Rom, wanderten durch die Abruzzen, schauten uns Venedig an und liefen ein Stück auf dem GTA im Piemont. Leider nahmen die Corona-Gängeleien permanent zu. Alles in allem war die Italienreise ein Kompromiss vom Kompromiss. In Genua reichte es dann, wir hatten genug und brachen unsere Reise ab, um zurück nach Deutschland zu fahren.