Zelttest im Schwarzwald (Schwarzwald Mai 2020 – Deutschland)

Pause

Pünktlich fährt der ICE von Mannheim kommend auf Freiburgs Hauptbahnhof ein. Gegenüber wartet schon der Regionalzug, der uns bis Denzlingen bringen wird. Anne braucht nur zur Zugtür raus, auf der anderen Seite in den Zug einzusteigen und schon geht es los.
Wir wollen nicht nur zwei Tage im Schwarzwald wandern, sondern auch unser neues Zelt auf Biwaktauglichkeit prüfen. Immerhin geben uns die geplanten Grenzöffnungen für Mitte Juni ein wenig Hoffnung, zumindest unseren Plan B einer Langstreckentour in die Tat umzusetzen…

Vom Elztal auf den Kandel

Beginnen werden wir mit einem Aufstieg zum Kandelgipfel über den Zweitälersteig, um von dort weiter zu den Zweribachfällen zu wandern. Irgendwo ist dann ein Biwak geplant und am nächsten Tag soll es über St. Peter wieder zurück nach Freiburg gehen.

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Unsere Wanderung beginnt auf dem Zweitälersteig in Waldkirch.

In Denzlingen fährt ein Bus im Schienenersatzverkehr bis Waldkirch. Die Strecke Denzlingen – Waldkirch – Elzach wird im Rahmen des Nahverkehrskonzepts der Bahn „Breisgau-S-Bahn 2020“ elektrifiziert.

Offensichtlich wird nicht nur an der Schiene gebaut, auch die Straße nach Waldkirch zieren Baustellenampeln. Endlich sind wir doch am Ziel und können unsere Wanderung beginnen. Ein älterer Herr hat den gleichen Weg in Richtung Stadtrand. Er ärgert sich über aufgerissene Müllbeutel am Gehsteig. „Da war der Marder dran“ so sein Kommentar. Wir sollen auf die Rehkitze achten, rät er uns noch zum Abschied. „Es ist jetzt die richtige Zeit.“

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Um den Duft des Waldes zu genießen, sollte man lieber beim Wandern tief Luft holen...

Wir versprechen dem pensionierten Jäger die Kleinen in Ruhe zu lassen und beginnen mit dem Anstieg. Bald schon leuchtet uns das rote Herz auf der grünen Raute von einem Wegweiser entgegen, das Zeichen des Zweitälersteigs. Vorbei an einer abenteuerlichen Rutschbahn, Holzfüchsen, Holzhasen und Lehrtafeln, an denen man seinen Geruchssinn schärfen kann, geht es bis zur Schwarzenberghütte. Hier gibt es sogar einen Brunnen, ein schöner Platz für unsere Frühstückspause…

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Trinkpause an der Schwarzenberghütte.

Gelbe Ginsterblüten und violette Akeleien verzieren den weiteren Aufstieg. Wir knabbern Himbeersprossen. Endlich wieder mal den Kopf freibekommen und nicht jeden Tag gebetsmühlenartig die neuesten Zahlen über getestete und verstorbene Coronainfizierte lesen zu müssen.

Je höher wir kommen desto steiler wird es und bald erreichen wir unseren nächsten Pausenplatz – die Thomashütte. Hoch über einem Felsvorsprung thront sie unterhalb des Kandelgipfels mit hervorragendem Blick hinab ins Elztal.

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Wir erreichen die Thomashütte unterhalb des Kandelgipfels.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt des mittleren Schwarzwaldes, fast 1242 m hoch. Es weht ein kalter Wind, deshalb verweilen wir nicht allzu lang in dem Gipfelpavillon. Wir könnten uns jetzt rechts halten, um dem Zweitälersteig in Richtung Zweribachfälle zu folgen. Doch es ist Mittagszeit und so kann ich einer Rauchwurst und einem Bierchen am Gipfelimbiss nicht widerstehen. Anne genehmigt sich ein Steakweckle und eine Weißweinschorle…

Schwarzwälder Erdbeertorte im Regen

Die Buchen auf dem Gipfelplateau sehen nicht gesund aus. Alle haben braune vertrocknete Blätter. Ob das schon dem Klimawandel geschuldet ist, fragen wir uns. Immerhin gab es diesen Winter kaum Schnee im Schwarzwald.

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Den Gipfelbuchen geht es offensichtlich nicht so gut - Klimawandel?

Ab jetzt führt der Weg über breite Forststraßen. Die Vögel zwitschern aber der Himmel verdunkelt sich zusehends. Auf der „Platte“ einer Hochebene östlich des Kandels fängt es schließlich an zu regnen. Eben haben wir noch die Himbeerplantagen bewundert. Eine spezielle Sorte die hier oben angebaut wird. Zum Glück ist das Gasthaus Plattenhof direkt vor uns. Und Zeit für eine Vesper ist sowieso…

Es gibt Schwarzwälder Erdbeertorte und Käsekirschkuchen dazu einen Cappuccino. Wir müssen brav unsere Adressen abliefern – Corona is watching you…

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Typische Schwarzwaldhöfe an den Steilhängen.

Es hat aufgehört zu regnen, wir können weiter. Vorbei an Schwarzwaldgehöften geht es hinab durch einen wilden Bannwald zu den Wasserfällen des Zweribachs. Genau genommen gibt es drei, eine obere, eine mittlere und eine untere Stufe. Früher als es im Winter noch richtig kalt war, konnte man hier Eisklettern.

Unterhalb der letzten Stufe erreichen wir einen Picknickplatz. Hier gibt es eine Quelle, eine Schutzhütte mit Feuerstelle (die nicht benutzt werden darf), eine kleine Kapelle, Wellnessbänke und das Beste: Erfrischungen für den müden Wanderer. Ein Bier kostet 2,50 EUR ein Birnenschnaps 1,50 EUR… Das Geld wirft man in eine kleine Kasse neben den Flaschen und Gläsern. Da hätte ich meinen Rotwein daheim lassen können…

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Unterhalb der Wasserfälle, an einem Grillplatz gibt es etwas für's Wandererherz...

Der Platz eignet sich hervorragend um unseren Wandertag zu beenden. Auf einer kleinen Anhöhe bauen wir unser Zelt auf. Es ist ein Portal 2 der Firma SlingFin. Ich hatte es gekauft, weil es mit nur rund 1,5 kg ein sehr leichtes Zweipersonenzelt ist. Außerdem besitzt es zwei Eingänge, auf jeder Seite einen und soll extrem windstabil sein. Wir hatten daheim etwas Sorgen wegen der möglichen Kondensbildung, da innen fast ausschließlich Mesh verarbeitet wurde.

Bannwald und Schwarzwaldidylle

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Schon früh wecken uns die ersten Sonnenstrahlen.

Kondensprobleme gab es keine, das können wir am nächsten Morgen sicher sagen. Auf unserer geplanten Tour wird es trotzdem nicht dabei sein. Erstens ist es für zwei Personen doch recht eng und zweitens ist zwischen Überzelt und Boden sehr viel Luft. Bei Starkregen mit Wind wird nichts trocken bleiben unter der Apside, so unsere Befürchtung.

Geflecktes Knabenkraut und wilde Wege führen uns zu den Hirschbachwasserfällen. Etwas oberhalb der Wasserfälle verlassen wir den Bannwald und folgen einem Forstweg zum Kapfenberg. An der Waldgrenze überrascht uns ein hübsches Schwarzwaldpanorama. In der Morgensonne leuchten grüne Viehweiden vor einem einsamen Bauernhof, im Hintergrund erhebt sich der Feldberg mit seinen Schneeresten über dem Zastler Loch.

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Erste Lage!

Wir folgen dem Weg nach St. Peter, steigen jedoch nicht sofort in den Ort hinunter, sondern folgen dem Bergkamm. Erst als wir auf den Kandelhöhenweg treffen, geht es hinunter auf einen Frühstückscappuccino im Bäckerladen. Noch haben wir genug Zeit, so beschließen wir unsere Wanderung bis Kirchzarten fortzusetzen. Die Sonne brennt und wir sind froh endlich das schattige Wagensteigtal zu erreichen. Anne kann sich ein Fußbad im Bach nicht verkneifen.

Nach 6 ¾ Stunden ist unsere Wanderung schließlich zu Ende. Von Kirchzarten fahren wir coronagemäß mit Mund und Nasenschutz zurück nach Freiburg…

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Von Kirchzarten fuhren wir „coronagemäß“ zurück nach Freiburg.

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