Premužićeva staza
Der Wind hatte sich über Nacht gelegt und mit den ersten Sonnenstrahlen verließen wir unser verlassenes Dorf in Richtung Oltari. Dort hatte es eine Berghütte, die leider verschlossen war und Wasser gab es wie gestern auch keins. Grundlegende Wasserknappheit konnte es hier jedoch nicht geben, denn eines der Grundstücke protzte mit einem Pool.

Dichter Bergwald im Nacionalni park Sjeverni Velebit.
Bis zum Nationalparkeingang waren es noch 10 km, wie uns ein Hinweisschild am Abzweig einer Nebenstraße verkündete. Zum Glück tauschte der Wanderweg bald den Asphalt mit einem bergauf führenden Forstweg.
Zu unserem Unglück hörte der Track auf meinem Navi plötzlich auf. Da hockte ich nun, mitten im Wald auf einem Baumstumpf und schaute ziemlich deppert auf mein Display in der Hoffnung die lila Linie hatte sich irgendwo versteckt. Doch sie blieb verschollen. Langsam dämmerte es. Gab es da nicht irgendwelche Dateibeschränkungen? Vermutlich hatte der Track der Via Dinarica mehr als 10 000 Punkte und mein Navi hatte ihn kurzerhand gekappt. Wie sollten wir uns jetzt orientieren?
Daheim hatte ich noch ein paar Alternativtracks geladen, die folgten zwar nicht immer der reinen Lehre des Verlaufs der Via Dinarica aber einen Versuch war es wert.
Es klappte die lila Linie erschien wieder wir waren gerettet – vorläufig. Denn aus wie vielen Punkten sich dieser Track zusammensetzte, wusste ich auch nicht.

Die Ranger Station Babić Siča am Eingang zum Nationalpark Nördlicher Velebit.
Der Wald lichtete sich und eine Straße erschien wir hatten Babić Siča erreicht, den Eingang zum Nationalpark Nördlicher Velebit (Nacionalni park Sjeverni Velebit). In der Ranger Station saß eine Rangerin. Als passionierte Fußgänger kostete uns der Eintritt nur 30 statt 45 Kuna. „Noch etwa 2 Stunden bis Zavižan“ erklärte uns die Rangerin. Wir hatten die Wahl, Straße oder Wanderweg.
Der Wanderweg führte durch einen richtigen Märchenwald. Zwischen den leuchtend grünen Buchen erhob sich grauer Kalkstein. Bald trat der Wald zurück und wir sahen die Adria hinter grünen Bergwiesen auf denen vereinzelt Fichten wuchsen. Die Felsen rückten immer näher zusammen und an der engsten Stelle tauchte ein Tor aus weißem Kalkstein vor uns auf.
Bis zur Berghütte Zavižan war es nun nicht mehr weit. Das rote Gebäude bildete einen schönen Kontrast zum umgebenden Grün der Wiesen und des Waldes.

Die rote Berghütte Zavižan.
Betreten durften wir die Hütte nicht – Corona-Regeln! Um hier zu übernachten hätten wir uns per E-Mail anmelden müssen. Aber durchs Fenster gab’s Velebitsko pivo für 12 statt 16 Kuna für mich und Limunada für Anne. Wir bekamen Wasser und mein Smartphone wurde auch noch aufgeladen, was will man mehr?
Zavižan scheint recht populär zu sein, denn hier tummelten sich so viele Tageswanderer wie wir sie bis jetzt auf der gesamten Tour nicht gesehen hatten. Rund 1 ½ Kilometer nach der Hütte beginnt nicht nur das zweite Naturschutzgebiet mit einem Schutzstatus wie das Gebiet der Bijele und Samarske stijene – das Reservat der Hajdučki i Rožanski kukovi. Hier beginnt auch der Premužićeva staza, ein 57 km langer Wanderweg, benannt nach seinem Erbauer, dem Forstingenieur Ante Premužić. Von 1930 bis 1933 wurde der Pfad errichtet und somit das nördliche Velebit-Massiv für Touristen zugänglich gemacht.

Wildes Zelten ist im Nationalpark verboten.
Wie in den Bijele stijene, gibt es auch entlang des Premužić-Wanderpfades unbewirtschaftete Schutzhütten zum Übernachten. Wildes Zelten ist im Nationalpark verboten. Die erste Schutzhütte ist die Rossijevo sklonište (auch Rossijeva koliba) auf 1580 m Höhe, unser Etappenziel.
Zwei Stunden und 15 Minuten ging es durch eine gewaltige Felslandschaft. Auf und ab schlängelte sich der steinige Pfad mal durch schattigen Wald, mal über blendenden Kalkstein, den die Nachmittagssonne regelrecht aufgeheizt hatte. Immer wider erhaschten wir einen Blick auf die Küste mit den Kwarner Inseln. Gegen 17 Uhr waren wir am Ziel. Die Hütte war leer. Na ja, nicht ganz. Im Gebälk hatte sich ein Pärchen Siebenschläfer eingenistet.

Die erste Schutzhütte ist die Rossijevo sklonište (auch Rossijeva koliba) auf 1580 m Höhe.
Eine Zisterne im Innern der Hütte enthielt Regenwasser. Wir zogen es jedoch vor erstmal unser Wasser von der Zavižan-Hütte aufzubrauchen. An einem Holztisch vor der Hütte genossen wir nicht nur unseren Feierabendkaffee sondern auch die Sicht auf die Landschaft. Im Norden erhoben sich glatte Kalkwände, im Osten und Süden eine Wildnis aus Felsen und Wald bis zum Horizont und im Westen die Adria mit ihren Inseln hinter denen die Sonne immer tiefer senkte bis nur noch ein glutroter Streifen den Horizont erleuchtete.

Die Sonne sinkt immer tiefer bis nur noch ein glutroter Streifen den Horizont erleuchtet.
Poltergeister
Während der Nacht hatte ich kaum ein Auge zugemacht. Als ob Poltergeister Party feierten, so rumorte es an den Wänden und unter dem Hüttendach. Immerhin wusste ich nun, dass Siebenschläfer nachtaktive Tiere sind. Siebenschläfer, von wegen! Irgendwie passte der Name nicht, die waren putzmunter. Gefehlt hätte nur noch, dass die Viecher mich im Schlafsack besuchten. Anne hatte Oropax!
So schälte ich mich etwas zerknautscht am Morgen aus dem Schlafsack. Die Sonne schien, der Himmel leuchtete strahlend blau, immerhin. Es war angenehm kühl.

Der Himmel leuchtet strahlend blau.
Wieder führte der Weg an tiefen Abgründen vorbei, durch Fichten- und Buchenbestand. Aufgrund der Buchenwälder, die hier noch Urwaldcharakter haben sollen, wurde das Gebiet 2017 unter den Schutz der UNESCO gestellt.
Nach 1 ¼ Stunden blieben die Felsen hinter uns und grüne mit Blumen und Dolinen übersäte Bergwiesen traten an ihre Stelle. Nun war es nicht mehr weit bis zur nächsten bewirtschafteten Hütte im Nationalpark, die Planinarska kuća Alan.
Die Hüttenwirtin versorgte uns mit Bier und Orangensaft und Anne konnte ihren E-Book-Reader aufladen. Dann fuhren die Wirtsleute runter an die Küste.

Mittags an der Berghütte Alan.
Eine Gruppe bosnischer Wanderer mit einem Hündchen traf ein und gesellte sich zu uns. Sie hatten eine dreistündige Rundtour gemacht und hier ihre Autos geparkt. Der Hund war sichtlich erschöpft. Bosnien ist für Bosnier und Kroaten offen, erklärte uns ein älterer Herr. Wie es für Ausländer sei, konnte er uns nicht sagen. „In den Bergen gibt es keine Corona-Viren. Das ist ein Stadtphänomen“ so der Mann.
Da war was dran. Was es auch nicht gibt ist Trinkwasser und blöderweise hatten wir vergessen die Hüttenwirtin danach zu fragen, nun war die Hütte zu…
Zum Glück hatten die Bosnier noch etwas Wasser übrig. Mit 2 Liter lauwarmem Sprudel konnten wir unseren Weg fortsetzen. Hoffentlich gab es an unserem Tagesziel, der Ograđenica-Schutzhütte, eine Zisterne.
Vorbei an einem Partisanendenkmal ging es wieder in den Wald. Wir wandelten laut dem Denkmal auf einem Pfad auf dem schon 1943 rund tausend Bewohner aus der Umgebung von Senj wandelten und am 19. März 1943 die Partisanenabteilung „Alan“ gründeten, der ersten Kampfgruppe des Bezirks Senj.

Zwischen den Bäumen entdeckten wir Bergwiesen, die durch Trockenmauern in einzelne Abschnitte aufgeteilt wurden.
Heute sieht man von den Aktivitäten der Kämpfer nichts mehr. Wohl aber von den Hirten des Velebits. Zwischen den Bäumen entdeckten wir Bergwiesen, die durch Trockenmauern in einzelne Abschnitte aufgeteilt wurden. Der Weg bog schließlich scharf nach Westen ab und gab so den Blick frei auf die Küste. Nun wechselte der Pfad die nächsten 2 Kilometer immer wieder zwischen bewaldeten und freien Abschnitten bis zur Nationalparkgrenze.
Ab jetzt liefen wir durch den Naturpark Velebit immer parallel zur Küste. Der Premužić-Weg war hier nicht mehr so gut ausgebaut wie im Nationalpark aber immer noch okay. Hinter jeder Biegung kamen neue Inseln in Sicht. So schön der Blick aufs Meer auch war, die Sonne brannte unbarmherzig auf unser Hirn und wir waren froh wenn es wieder ein Stück durch schattigen Wald ging.

Der Weg bog schließlich scharf nach Westen ab und gab so den Blick frei auf die Küste.
Ein Pärchen ohne Gepäck und ein Solowanderer mit viel Gepäck kamen uns entgegen. Überlaufen schien der Pfad also nicht zu sein. Endlich kündigte ein rotes Schild unser Etappenziel an, noch 15 Minuten bis zur Hütte. Wir waren nun fast 9 Stunden auf den Beinen.
Die Hütte, ein Häuschen aus Blech mit einer Zisterne voll Wasser und 2 Doppelstockbetten liegt auf ehemaligem Weideland und bietet ein grandioses Panorama mit Meerblick. Sie gehört dem Bergclub Đakovo.

Feierabend.
Neben einem der Betten entdeckte ich eine Schraubkartusche. „Für arme Wanderer, wie mich, genau richtig“ sagte ich zu mir. Doch Anne war der Meinung, dass ich kein armer Wanderer sei, also kochte ich unseren Feierabendkaffee wieder mit eigener Ausrüstung…
Zum zweiten Mal endete unser Wandertag mit einem herrlich kitschigen Sonnenuntergang in der Adria.
Ziel verfehlt
Da auch an diesem Morgen kein Wölkchen den Himmel trübte beschlossen wir unsere Rucksäcke bei der Hütte zu deponieren und auf einen der umliegenden Gipfel zu steigen – der Šatorina (1622 m). Laut einem Wegweiser sollte es etwa 45 Minuten dauern.

Heute Morgen wollen wir den Gipfel der Šatorina erklimmen.
Wir versteckten unsere Rucksäcke in einer Gruppe von Latschenkiefern und latschten los. Ein gut sichtbarer Pfad führte ostwärts leicht bergauf. Doch irgendetwas stimmte nicht. Als wir nach einer halben Stunde bergab liefen, schaute ich auf meine OSMAND-Karte.
Wir waren schon auf dem Weg zum Berg, nur würde es bis zum Gipfel mindestens 1 ½ bis 2 Stunden dauern. Dann wären wir erst gegen Mittag wieder an der Hütte. Anne machte auf der Stelle kehrt, ich folgte ihr. Anne war frustriert und das bekam jeder Kalkstein am Wegesrand handfest zu spüren. Zum Glück waren Leki-Stöcke von robuster Natur…
Zurück am Wegweiser offenbarte sich unser Fehler. Dort stand: „Dokozina plana 45 min (Šatorina)“. Die 45 Minuten galten demnach nicht dem Gipfel sondern der Hochebene. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil… Wir hatten unser Ziel verfehlt und 1 ¼ Stunden vertrödelt.
Nun ging es aber zügig weiter auf der Via Dinarica, bald erreichten wir eine Quelle, die sogar auf der Karte vermerkt war – die obere Korita-Quelle (Izvor Gornje Korito).

Bald erreichen wir eine Quelle, die sogar auf der Karte vermerkt war – die obere Korita-Quelle (Izvor Gornje Korito).
Bis Baške Oštarije, unserem Tagesziel waren es laut einem Schild noch 7 Stunden. Wir füllten unsere Flaschen, tranken etwas Quellwasser und liefen weiter.
Es war kurz nach 12 Uhr als wir eine weitere Schutzhütte erreichten, die Sklonište Skorpovac. Ab der Quelle steckten uns 6,5 km in den Beinen, Zeit für die Mittagspause. Die Hütte ähnelte ganz und gar nicht den unbewirtschafteten Schutzhütten denen wir bisher begegnet waren. Mehrere Räume, komplett eingerichtet mit Möbel, Betten, Küche sogar einem Radio luden zum Verweilen ein. Wenn es später gewesen wäre hätten wir ein nettes Quartier zum Übernachten gehabt.

Wir sind an der Sklonište Skorpovac.
Skorpovac war aber nicht nur eine Schutzhütte, es war ein verlassenes Dorf. An den Wänden der Hütte hingen alte Fotos in schwarzweiß mit ehemaligen Bewohnern des Ortes. Bis 2006 haben hier noch Menschen gewohnt. Heute scheint es hier noch gelbgrüne Zornnattern (Hierophis viridiflavus) zu geben, auf dem Weg zum Brunnen huschte ein recht langes Exemplar vor meinen Füßen ins Dickicht. Es gab mehrere mehr oder weniger zerfallene Häuser, eine Zisterne, eine Wasserpumpe (die funktionierte) und einen Grillplatz mit Holzliegen.
Nach einer Stunde Mittagspause schien der Rucksack doppelt so schwer auf den Schultern zu lasten. Mühsam schleppte ich mich Schritt um Schritt weiter. Unser Track der Via Dinarica führte laut Karte über einen Gipfel, die sich hier Brdo – Hügel nannte. Da besagter Hügel aber 1317 m hoch war, hätte das einen Anstieg von fast 370 Höhenmeter bedeutet. Ein gutes Argument für uns weiter dem Premužić-Weg zu folgen.

Weiter folgen wir dem Premužić-Weg, anfangs durch schattigen Bergwald.
Anfangs ging es durch schattigen Bergwald, später auf steinigem Pfad auf der Westseite der nördlichen Dabarski kukovi entlang. Die Nachmittagssonne brannte gnadenlos aufs Hirn. Die wenigen schattigen Waldabschnitte waren nur kurz. Wildschweine hatten den Weg völlig zerwühlt. Zwischen den Steinen zischelte eine fette Hornotter (Vipera ammodytes), immerhin eines der giftigsten Viecher in den Dinariden. Am Wegrand blühten dunkel-purpurrote Cattani-Lilien auch Dalmatinische Lilien genannt (Lilium martagon var. cattaniae/var. dalmaticum).

Cattani-Lilie auch Dalmatinische Lilie genannt (Lilium martagon var. cattaniae/var. dalmaticum).
Eine schmale Schotterstraße führt über den Pass Dabarska kosa. Von hier hatten wir eine gute Sicht auf die umliegenden Täler und Berge aber eine geeignete Stelle für ein Biwak zeigte sich nicht. Laut GPS würde das Gelände nach 1 km flacher. Bis Baške Oštarije würden wir es heute nicht mehr schaffen, also versuchten wir unser Glück. Immerhin führte der Pfad ab jetzt wieder durch Wald und tatsächlich, nach rund 20 Minuten leuchtete ein Stück Weise zwischen den Bäumen hervor. Zwischen gelbem Enzian und wildem Oregano bauten wir unser Zelt auf und auf einem Stück verfallener Trockenmauer kochten ich unseren Feierabendkaffee.

Unsere Küche.
Mit Koffein im Blut und neu erwecktem Tatendrang entschloss ich mich nun doch noch einen der umliegenden Gipfel zu erklimmen. Anne war außerdem der Meinung, dass man Männer immer beschäftigen müsse, so zog ich nochmal los. Nach einer knappen Stunde von unserem Biwakplatz stand ich auf dem 1127 m hohen Butinovača. Leider war es etwas diesig aber trotzdem lohnend. Zu allen Seiten erhoben sich schroffe Kalksteinfelsen aus grünen bewaldeten Tälern. Im Süden erkannte ich bereits die Gipfel des südlichen Velebits. Doch erstmal mussten wir nach Baške Oštarije und dort wollten wir einen Tag Pause machen.
Im Auenland
Wildschweine sind auch nachtaktive Tiere, das musste ich zu meinem Leidwesen spüren. Zum Glück war es bis Baške Oštarije nicht mehr weit. Der Pfad führte noch reichlich 2,5 km durch Wald und mündete schließlich auf eine Forststraße. Wir standen am offiziellen Ende des Premužić-Weges. Der Wald blieb bald hinter uns zurück und Wiesen erschienen über denen Felsgrate in die Höhe ragten – die Dabarski kukovi.

Wiesen treten an die Stelle des Waldes über denen Felsgrate in die Höhe ragen – die Dabarski kukovi.
Hinweistafeln behaupteten, dass wir hier in einer populären Wanderregion wanderten. Nun wenn dem so war, könnten wir morgen mal eine Tagestour in Betracht ziehen. Erste Tageswanderer kamen uns mit leichtem Gepäck entgegen, geführt von einem Wanderleiter.
Der Ort an der Fernverkehrsstraße D25 bildet die Grenze zwischen mittlerem und südlichen Velebit.
Wir überschritten die Grenze um 9:05 Uhr mit dem Ziel Hostel Baške Oštarije. Nein, wir wollten hier nicht übernachten, unsere Karte zeigte ja noch einen Campingplatz 1 km weiter östlich.
Das Hostel hatte jedoch einen Biergarten und zu einem Karlovačko pivo mit einer Portion Ćevapčići konnte ich nicht nein sagen.
Am Straßenrand auf dem Weg zum Campingplatz steht ein Info-Hütte vom Naturpark Velebit. Es gab hier auch Wanderkarten, zwar nur im Maßstab 1 : 100.000 aber immerhin.
Der Campingplatz „Kamp Velebit“ ist klein aber fein. Es gibt einen Grillplatz, Steckdosen, um Akkus aufzuladen, Duschen, eine Waschmaschine mit Trockner (75 HRK) und eine Küche. Alles was man so als Wanderer halt braucht. Das Beste aber entdeckte Anne: kleine Hobbit-Höhlen in einem Hügel eingelassen. Da kam ich mir gleich vor wie in Beutelsend/Unterbühl…

Ankunft in Beutelsend.
Das WiFi-Signal war am stärksten neben dem Eingang zu Küche und Bad. Wir durften unser Zelt aufstellen wo wir wollten. Pro Person kostete es 60 HRK plus 25 HRK pro Zelt, das Bier ging aufs Haus…
Leider gibt es in Baške Oštarije keinen Lebensmittelladen, nur eine Käserei. Aber wenn jemand mit seinem Auto in Richtung Gospić oder Karlobag fuhr, hatte man die Möglichkeit Bestellungen aufzugeben. Ich orderte erst mal 2 Liter O-Saft…
Als das Zelt stand, mussten wir uns ausruhen, immerhin stand heute Abend Fleischplatte mit Grillgemüse und Salat im Hostel auf dem Speiseplan, dazu ein Velebitsko Dunkel. Dunkel wurde auch der Himmel auf dem Rückweg zum Campingplatz, ein Gewitter zog auf. Würde es morgen ungemütlich werden?
Ljubičko brdo
Die Bora fauchte wieder. Zum Glück stand unser Zelt recht windgeschützt, so dass es nur ab und zu ruckelte, wenn sich eine Bö verirrte. In den Berggipfeln hingen noch Woklenfetzen. Doch es versprach schön zu werden. Für unseren Tagesausflug hatten wir uns eine Rundwanderung ausgesucht über den Ljubičko brdo (1320 m).
Den ersten Teil des Weges kannten wir bereits, es ging die Straße zurück bis zum Restaurant des Hostels. Der Biergarten war leer, die Sonnenschirme lagen flach auf dem Boden. Im Laden der Käserei Vegium kauften wir ein wenig Verpflegung, polutvrdi sir „Kubus“ (halbhart), Straciatella-Joghurt und Lička-Milch.

Im Laden der Käserei Vegium kaufen wir ein wenig Verpflegung, polutvrdi sir „Kubus“ (halbhart).
Auf dem Weiterweg tauchten Lehrtafeln auf, die die Vorzüge nachhaltiger Waldbewirtschaftung in Kroatien erklärten. Irgendwie kamen uns da Forstmaschinen mit Eisenketten und zerwühlte Rückegassen in den Sinn…
Unsere neu erworbene Karte war nicht wirklich hilfreich. So folgten wir nach Bauchgefühl einem Forstweg und hofften auf Hinweisschilder, die uns sagten, dass wir richtig waren. Der Hinweis lies auch nicht lang auf sich warten. Links führte ein Pfad zu einer Quelle, aus der sogar Wasser sprudelte. Sie befindet sich am Beginn des Wanderpfades über die Dabarski kukovi, wir mussten uns jedoch weiter rechts halten in Richtung Kuk od Karline plane.

Der Felsgipfel Medvjeđi kuk.
Es ging bergauf durch schattigen Laubwald. Bald zweigte rechts ein Pfad ab zum Medvjeđi kuk, dem Bärenfelsen. Wir hielten uns linker Hand. Der Gipfel des Kuk od Karline plane ist ein scharfer Felsgrat, der etwas Kraxelei erforderte. Eine Stelle war ausgesetzt. Pazi! – Achtung! stand in roten Buchstaben am Fels. Die Kletterei war nicht schwer, aber der Wind auf dem Grat schüttelte einen ganz schön durch. Wir hatten Mühe geradeaus zu laufen. Mit dem Felsgrat lag das Schwierigste hinter uns. Bis zum Hauptgipfel des Ljubičko brdo war es nun nicht mehr weit, der Pfad folgte einem Grasbuckel bergauf. Die Sicht war großartig.

Blick vom Gipfel des Ljubičko brdo.
Aufgrund des starken Windes verzichteten wir auf eine ausgiebige Gipfelrast und sahen zu wieder runter zu kommen.
Der Abstieg war recht steil. Erst ab der Waldgrenze lief es sich besser und auch der Wind blies nicht mehr so heftig, ein guter Platz, um Pause zu machen.
Auf dem Weg nach Baške Oštarije führte der Weg an einer Besonderheit vorbei – einem Hochmoor mitten im Karstgebiet. Weiße Wollgrasbüschel leuchteten im feuchten Grün des Bodens. Warum das Wasser hier nicht versickerte konnten wir uns nicht erklären.
Nach genau 4 Stunden und 45 Minuten hockten wir wieder im Hostel Restaurant und belohnten uns mit einem Kirschstrudel und Espresso. Der Kellner steckte uns ein paar Brotscheiben zu, unser Frühstück für den nächsten Morgen war also auch gesichert.