Von Hütte zu Hütte durch den Pfälzerwald (Pfälzerwald Oktober/November 2021 – Deutschland)

Am Kahlen Felsen
Am Kahlen Felsen

Der Regionalexpress nach Neustadt (Pfalz) musste jeden Augenblick einfahren. Wir hockten auf dem Bahnsteig und schlürften einen Coffee to go, der uns immerhin vorübergehend vor dem Maskenzwang schützte…
Unsere Tour durch den Pfälzerwald Anfang November von Annweiler am Trifels beginnend hatten wir schon länger geplant. Nicht geplant war das Wetter der nächsten Tage und das sah nach Dauerregen aus…


Wir hatten für unsere erste Übernachtung im Wald den Trekkingplatz 4 – Annweiler gebucht. Vom Bahnhof war es nur eine Stunde bis zum Trekkingplatz. Immerhin schleppten wir Steaks, Würstchen, ein Baguette, Oliven mit Schafskäse sowie Rot- und Glühwein mit in die Berge.
Der Trekkingplatz befindet sich oberhalb eines breiten Forstweges. Meiner Meinung nach gibt es schöner gelegene Plätze im Pfälzerwald aber sei’s drum, es gab ein Klo und eine Feuerstelle. Feuerholz gab es auch, nur das war nass!
Nach mehreren vergeblichen Kokelversuchen behielten Annes Feueranzünder schließlich die Oberhand. Immerhin erwarteten wir noch Besuch. Als die Flammen zu knistern begannen, trudelten Helga und Manfred vom nahe gelegenen Feriendorf Eichwald ein. Auch sie hatten etwas zum Grillen und Rotwein dabei.
Unser Grillabend währte bis kurz nach 21 Uhr. Als die ersten Tropfen fielen verabschiedeten wir uns. Helga und Manfred fuhren zurück in den Eichwald, wir verschwanden in unser Zelt.

Auf Schusters Spuren

Es regnete die ganze Nacht hindurch, der lehmige Boden hatte sich zu einer ockerbraunen Brühe verwandelt, die unser Zelt besudelte und alles was unter der Apsis lag. Durch den Zeltboden drückte sich die Feuchtigkeit und auch der Waldboden war dermaßen durchweicht, dass die Wurzeln eines Baumes keinen Halt mehr fanden und der Bursche krachend der Schwerkraft folgte…
Am Morgen rollten wir den nassen Zeltlappen zusammen und machten uns auf den Weg. Immerhin nieselte es nur noch leicht.
Der Weg zur Kaisermühle war matschig, doch die mit buntem Herbstwald bestückten Hügel ganz nett anzusehen, wenn nicht der bleigraue Himmel die Szenerie im wahrsten Sinne des Wortes eingetrübt hätte. An der Kaisermühle, einer Touristenunterkunft, endete der Weg. Wir mussten ein Stück auf der Straße entlang, bis ein schmaler Pfad linker Hand den Hang hinaufführte.
Baumhindernisse überwindend und Rötelritterlinge sammelnd erreichten wir den „Kleinen Ferkelstein“, ein Sandsteinfelsen auf dem Höllenberg. Oben auf dem Kamm erwartete uns die zweite Felsformation, der Klingel-Kopf. Wir folgten dem Kammweg in Richtung Ochsenborn-Quelle. Hier waren wir schon einmal, auf unserer Pfälzerwald-Wanderung 2018. Damals biwakierten wir auf dem Höllenberg.
Die Wolken hatten sich etwas aufgelockert und ein leichter Wind wehte, eine gute Gelegenheit unser Zelt zu trocknen. Auf einer Wiese bei Spirkelbach bauten wir das Teil auf, es war eh Zeit für die Mittagspause.
Wir brauchten Wasser, die Ochsenborn-Quelle war trocken. Laut meiner Karte sollte es eine Quelle im Steinbachtal geben. Außer Elektrozäunen mit Rindviechern dahinter fanden wir nichts. Doch halt, an einem Holunderstrauch sprossen Judasohren.
Auf Annes Wanderkarte war ein Jugendzeltplatz eingezeichnet, da könnte es Wasser geben. So war es auch, an einem Gebäude reihten sich mehrere Wasserhähne mit Waschbecken darunter. Lustigerweise floss nur das heiße Wasser.
Hier verließen wir unseren GPS-Track, denn wir wollten diese Nacht in einer Schutzhütte verbringen. Nun ging es auf dem Schusterpfad oberhalb von Hauenstein entlang, einem Premiumwanderweg. Vom Kreuzelfelsen und Kahlen Felsen hatten wir eine schöne Sicht auf den Ort und das Tal. Doch der Himmel verdunkelte sich wieder, wir mussten weiter. Unser Ziel war die Schutzhütte Weimersborn. Laut Anne sollte es morgen noch mehr regnen als heute.
Bis auf ein Wanderpärchen mit großen Rucksäcken begegnete uns niemand am Abend. Aber die Beiden hatten auch ihr Zelt dabei.
Mit einem leckeren Pilztopf mit Nudeln ließen wir unseren zweiten Wandertag ausklingen.

Sagenhafter Regentag

Wir waren noch keine halbe Stunde unterwegs und hatten bereits die ersten Edelreizker eingesammelt als es zu regnen begann. Wir streiften unsere Ponchos über und würden diese erst am Tagesziel wieder ablegen…
Den Hühnersteinfelsen erklommen wir nicht, da die Sicht praktisch gegen null tendierte. An der Wasgauhütte plätscherte ein Wasserstrahl aus der Regenrinne, eine willkommene Gelegenheit unsere Trinkflaschen aufzufüllen.
Wir knabberten noch ein paar Erdnüsse, dann ging es weiter durch den Regen. Wir hielten auf Erlenbach bei Dahn zu. Zwar gab es auch schöne Felsenwege laut unserer Karte, doch machte es bei dem Wetter keinen Sinn sie zu gehen. So blieben wir auf den Waldpfaden.
Die Attraktion des Dorfes ist die Burg Berwartstein. Der Ort selbst entpuppte sich als recht trostlos. Laut Karte gab es jedoch rund 2,5 km westlich von Erlenbach eine Schutzhütte. Auch auf den Wegweisern im Dorfzentrum war sie bereits angeschrieben – die Schutzhütte am Jüngstberg. Das sollte doch ein geeignetes Plätzchen für die Nacht sein. Der Felsenland-Sagenweg, ebenfalls ein Premiumwanderweg, führte zu unserem Biwakplatz.
Ein paar hundert Meter vor der Hütte ärgerte uns nochmal ein kräftiger Regenguss. Doch er dauerte nicht lang und an der Hütte zeigte sich zum ersten Mal die Sonne. Der bunte Herbstwald bildete einen schönen Kontrast zu den dunkelgrauen Regenwolken und über den Baumwipfeln spannte sich bald ein leuchtender Regenbogen.

Schlauer Fuchs, dummer Fuchs

Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch am Morgen nieselte es weiter. Inmitten triefender Bäume erreichten wir den Friedhof von Bruchweiler-Bärenbach. Hier gab es Wasser für unsere Trinkflaschen! Im Ort suchten wir vergebens einen Metzger. Wir hatten Appetit auf was Deftiges. Laut einer Dame hätten wir bis in den Nachbarort nach Busenberg laufen müssen. Wir verzichteten. Stattdessen folgten wir nun dem Napoleonsteig auf den Schlangenberg hinauf.
Auf den Bergwiesen wuchsen Schwärzende Saftlinge (Hygrocybe nigrescens). An einem Wegweiser trennte sich der Weg. Wir rätselten noch welche Strecke wir laufen sollten, als ein Auto hielt. Ein Dörfler im Jägeroutfit nahm uns die Entscheidung ab. „Geht zur PWV-Hütte, die ist offen. Heute ist Mittwoch!“ Das klang verlockend.
Der Alte wollte uns jedoch nicht so einfach weiter ziehen lassen. Erst mussten wir noch erfahren, was der Unterschied zwischen den Pfälzern und den Saarländern war. Als Metapher mussten Füchse herhalten:
So streifte einst ein Pfälzer Fuchs durch den Wald und hörte von weitem ein Winseln und Jammern. Als er sich der Stelle näherte, von wo die Laute kamen, gewahrte er einen Fuchs aus dem Saarland, der mit einer Pfote in einer Falle steckte. „Was jammerst du so?“ fragte der Pfälzer Fuchs. „Beiß dir die Haxe ab und du bist frei.“ Sprach’s und ging seiner Wege.
Auf dem Rückweg hörte er noch lauteres Jammern und Wehklagen als auf dem Hinweg. An der Stelle angelangt, sah er immer noch den Saarlandfuchs in der Falle sitzen. „Ich sagte doch, beiß die die Haxe ab und du bist frei!“ rief der Pfälzer Fuchs. Darauf jammerte der Saarlandfuchs. „Ich hab schon drei abgebissen und hänge immer noch fest!“… (Das erinnert mich an Geimpfte: Haben schon 3 und infizieren sich immer noch… Ja der ist bös.)
Die PWV-Hütte „Zum Schmalstein“ hatte geöffnet unterlag jedoch der 2G-Regel. Somit konnten sich Geimpfte und Genesene gegenseitig infizieren… (Wobei Genesene da die besseren Karten hatten!)
Wir hockten uns auf die Terrasse und bestellten „Schiefen Sack“ (einen Leberknödel, eine Bratwurst und Sauerkraut mit Brot) und Weißherbstschorle.
Vom Hüttenober erfuhren wir, dass die Quelle welche die Hütte mit Wasser versorgte trotz des feuchten Sommers immer noch zu wenig Wasser hergab. Mehr als 3 Tage in der Woche könnte man die Hütte gar nicht aufmachen, aufgrund des Wassermangels.
Satt und zufrieden konnte es nun weiter gehen. Vorbei an den Dretschfelsen widmeten wir uns gleich wieder der Nahrungssuche. Am Waldboden wuchsen Semmelstoppelpilze, Trompetenpfifferlinge und Violette Rötelritterlinge. Sogar ein Birkenpilz (nicht madig!) zeigte sich noch.
Der Napoleonfelsen lag in dichtem Nebel eingehüllt. Dafür war es bis zu unserer Übernachtungshütte nicht mehr weit. „Am Hundel“ hieß das Hüttchen und es liegt an einem Forstweg am Fuß des Großen Eybergs.
Nach unserer Pilzmahlzeit mit Kartoffelbrei machten wir es uns bei Kerzenschein in den Schlafsäcken gemütlich. Draußen prasselte schon wieder der Regen aufs Dach…

Ohne Moos nichts los

Heute würden wir gleich an mehreren Hütten vorbeikommen. Mal sehen welche uns ein Obdach bieten würde. Nach einer Abkürzung über unmarkierte Waldwege erreichten wir die Schutzhütte „Am Hinterstell“ schon gegen Mittag. Auch an der nächsten Hütte „Langentaler Hals“ machte es keinen Sinn zu bleiben. Am Waldrand zeigten sich viele Lachsreizker. Wir nahmen nur die jüngeren Exemplare mit. Wichtiger als Pilze war es sich erst mal um Wasser zu kümmern. Zum Glück lag die Moosbachquelle auf unserem Weg und führte sogar Wasser!
Nun folgten wir dem Moosbachtal, vorbei am Seerosenweiher (Kranzwoog) bis wir wieder auf unseren GPS-Track stießen. Unser Ziel war die Klosterbrunnhütte. Ob wir morgen noch weiter laufen oder in Pirmasens die Tour beenden würden, machten wir vom Wetter abhängig.
Die Moosbrunnhütte war die größte Hütte auf unserer Wanderung. Leider war sie von drei Seiten offen. Aber da sie geschützt in einem engen Tal lag und sich mit der Rückseite an einen Felsen schmiegte, sollte das kein großes Problem darstellen.
Heute gab es zum Abendessen Pilztopf mit Süßkartoffeln. Eine etwas exotische Kombination aber durchaus zu empfehlen.

Abbruch

Da es in der Nacht und am Morgen wieder regnete, stand für uns die Sache fest – wir werden nach Pirmasens laufen und unsere Tour beenden. Bis Lemberg (Pfalz) füllte sich unser Sammelbeutel mit Edelreizkern und Trompetenpfifferlingen. Dann tauchten wir wieder in die real-existierende Corona-Pandemie ein. Vor der Post und dem Bäcker standen die Leute, Abstand haltend mit Masken vorm Gesicht. Wie hoch mochte die Inzidenz sein? Wollte man auf den Wert nicht mal ganz verzichten?
Wir tauchten bald in die Pirmasenser Peripherie ein, setzten unsere Masken auf und fuhren mit dem Stadtbus bis zum Exerzierplatz. Zum Bahnhof waren es nun noch etwa 15 Minuten zu Fuß. Wir hatten Glück in wenigen Minuten fuhr ein Zug nach Landau und nach reichlich 2 Stunden waren wir wieder in Mannheim.
Trotz des vielen Wassers von oben bereuten wir die Wanderung nicht. Es war ein gelungener Abschluss einer reichen Pilzsaison für dieses Jahr…

***

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