April, April: Freiburg – Roßkopf – Denzlingen (Schwarzwaldtour April 2019 – Deutschland)

Föhrental
Föhrental

Die Gipfel des Hochschwarzwaldes sind wieder weiß, sogar bis Freiburg hatte es letzte Woche geschneit. Nun scheint die Sonne, Zeit eine kurze April-Wanderung zu wagen. Und vielleicht finde ich noch die ein oder andere Morchel. Laut dem allwissenden Internet sollen sie ja schon wachsen…

Freiburg

Rindenmulch ist das Stichwort und den hatte ich letztes Jahr an einer Stelle auf dem Kandelhöhenweg gesehen. Also beginne ich meine Wanderung mitten in Freiburg. Von der Straßenbahnhaltestelle Oberlinden geht es über den Schwabentorsteg hinauf zum Schlossberg.

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Der Münsterturm mal ohne Gerüst.

Da beehrte ich Südbadens Provinzhauptstadt schon seit dem Sommer 1993, auf dem Schlossbergturm war ich jedoch noch nie! Höchste Zeit das zu ändern. Der 30 m hohe Aussichtsturm wurde 2002 neu errichtet. Der Bauherr war eine Bürgervereinigung, und die Bürger und Firmen stemmten auch 2/3 der Baukosten. Wie bei dem Eichelspitzturm auf unserer Kaiserstuhlwanderung sind zum Dank ihre Namen auf den Treppenstufen des Turms verewigt.

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Der 30 m hohe Schlossbergturm wurde 2002 neu errichtet.

Oben, ganz oben auf dem Turm habe ich den Eindruck dass der Bauleiter sein Handwerk aus dem Schiffsbau erlernte. Die kleine Plattform ähnelt einem Krähennest auf einem Hochseesegler und schwankt und wackelt, dass ich kaum meine Kamera still halten kann. Ein Panorama mache ich trotzdem…

Nun geht es weiter über den Bergrücken des Schlossbergs wo einst das Adlerfort, eine Festungsanlage, die Rheinebene und das Dreisamtal kontrollierte. Heute gibt es keine Festungsbesatzung mehr auf dem Berg. Ein blaues Quechua Wurfzelt bietet dagegen jemandem ein Obdach der kein Obdach hat…

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Wildnis über der Stadt.

Der Wald ähnelt einer kleinen Wildnis. Efeubewachsene Bäume recken sich gen Himmel, am Boden modern mit Pilzen bewachsene Stämme vor sich hin. Frischer Waldmeister sprießt zwischen verwelkten Blättern aus dem Waldboden. Kaum zu glauben, dass nur weniger Meter die Stadt zum Leben erwacht. Es ist 10 Uhr und die ersten Mountainbiker mühen sich den Weg zum Roßkopf hinauf.

Roßkopf

Ich lasse mir Zeit, laufe einen Schlenker über den Roßkopfsattel und erreiche schließlich den 737 m hohen Gipfel mit seinen Windrädern und dem 34 m hohen Aussichtsturm, dem Roßkopfturm. Auf dem Gipfel liegt eine dünne Schneedecke und auf der Plattform des Aussichtsturms ebenfalls. Die Turmbesteigung ist deshalb etwas feucht…

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Blick vom Roßkopfturm zu den Windrädern und zum Kandel.

Es ist etwas diesig, aber hinter den Windrädern erhebt sich die schneebedeckte Kuppe des Kandel und im Süden jenseits des Dreisamtals erheben sich Schauinsland und Feldberg im Dunst. Selbst die Vogesen sehe ich wenn auch nur schemenhaft.

Je weiter ich dem Kandelhöhenweg folge, desto weißer wird es. Durch den Schnee recken junge Brombeerpflänzchen ihre zartgrünen Blättchen – April, April halt…

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April, April...

Am Streckereck wird meine Hoffnung auf Morcheln abrupt zunichte gemacht. Der Rindenmulch liegt unter einer 5 cm dicken Schneedecke, nix mit Morcheln! Ich steige ab! Vielleicht habe ich ja weiter unten am Waldrand mehr Glück. Auf matschigen Forstwegen und schmalen Waldpfaden erreiche ich das obere Föhrental. Hier wachsen jedoch nicht nur Kiefern sondern auch Esskastanien. An einem besonders stämmigen Exemplar mache ich Pause. Morcheln gibt es jedoch keine!

Denzlingen

Nun kann ich mich entscheiden, 5 Kilometer sind es bis Gundelfingen, 7 Kilometer bis Denzlingen. Ich wähle Denzlingen, da halten mehr Züge. Ein Pfad führt über den Bergrücken nach Westen. Zierliche Fichtenzapfenrüblinge stecken ihre braunen Hüte über den Waldboden. Leider sind es nur eine Handvoll, es lohnt nicht.

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Schwarzwaldhof und Kandel.

In Heuweiler verlasse ich den Wald. Nun erweist sich meine Entscheidung bis Denzlingen zu wandern als doch nicht so weise. Kreuz und quer geht es auf asphaltierten Landwirtschaftswegen und Radwegen zwischen den Ackerflächen in Richtung Schnellstraße Freiburg – Waldkirch. Hier treffe ich Helmut, mit dem ich 2015 im Spätsommer durch das Fogarascher Gebirge gewandert bin. Er weist mit den kürzesten Weg in diesem Feldweg- und Straßenwirrwarr nach Denzlingen. Nach insgesamt 6 ¾ Stunden bin ich am Bahnhof. Fast 22 km bin ich gelaufen, länger als geplant und auch ohne Morcheln war es eine schöne Tour.

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