Schwarzwälder Hüttenwanderung (Schwarzwaldtour Januar 2020 – Deutschland)

Im Regen
Im Regen

Das erste verlängerte Wochenende im Januar bietet sich für eine Zwei-Tages-Wanderung im Schwarzwald an. Wir wollen in der Luchsfelsenhütte übernachten aber schon vorher die eine oder andere Forsthütte über dem Sankt-Wilhelmer-Tal besuchen.

Laut Wetterbericht wird es trocken bleiben und die Sonne sich ab und zu zeigen. Von Freiburg fahren wir am Morgen mit der neuen S-Bahn bis Kirchzarten. Dort regnet es. Mit dem Bus geht es bis Steinwasen – dort schneit es!
Egal wir ziehen uns den Poncho über und beginnen den Aufstieg. Bald hört es auf, zu schneien und durch die Wolken erhaschen wir einen Blick in Richtung Oberrieder Tal und auf den Schauinsland. Seine Flanken sind weiß, der Gipfel liegt in den Wolken.

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Der Wald lichtet sich etwas und unser Pfad mündet auf einen Forstweg. Auf einer kleinen Lichtung steht die Behagelhütte. Davor befindet sich eine Feuerstelle. Die Hütte selbst hat zwar einen Kamin aber keinen Ofen. Wir essen unsere Käsebrötchen und laufen weiter in Richtung Ahornboden.
An einem Baumstumpf finden wir ein paar aufgetaute Samtfußrüblinge. Wir nehmen sie mit, vielleicht peppen die Pilze unser Abendessen etwas auf…
Schon bald erreichen wir die nächste Hütte – die Krummenbachhütte. Dort habe ich Mitte der 90iger gewöhnlich die letzte Nacht des Jahres verbracht. Erinnerungen werden wach, an Rotkäppchen Sekt mit heißer Mandarine. Da war immer was los.

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Auch jetzt sind wir nicht allein. Zwei junge Männer haben es sich gemütlich gemacht. Der Ofen sendet Hitzewellen aus. Wir bekommen Tee und man bietet uns Toastbrot an. Die beiden kommen aus dem Schwäbischen und machen öfter mal eine Hüttenübernachtung hier im Schwarzwald. Bald trudeln mehr Wanderer ein. Es sind 5 Leute, nun wird es voll in der kleinen Hütte. Zeit für uns, weiter zu ziehen.
Wir folgen einem alten Forstweg durch ein Bachtal in Richtung Auerhahnhütte. Hier oben hat es etwas mehr Schnee. Viel ist es aber auch nicht. Vor uns ist schon mal jemand den Weg gelaufen, wir folgen den Spuren. Als der Weg auf einen breiten Forstweg mündet, werden wir erwartet.

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Ein Mann mit Hund, der sich als Mitarbeiter der Forstverwaltung Kirchzarten vorstellt. Fragt ganz direkt, ob wir es in Ordnung finden, was wir machen und ob wir der Prepper-Szene angehören. Wir sind uns keiner Schuld bewusst. Er sieht das offensichtlich anders. Den Weg hätten wir seiner Meinung nach nicht nutzen dürfen. Er sei nicht markiert und wir dürften nur markierte Wege laufen. Außerdem würden wir das wenige Auerwild in diesem Gebiet stören. Dass es verboten ist, außerhalb des Naturschutzgebietes Feldberg nichtmarkierte Wege zu benutzen war mir neu. Absperrungen oder Hinweisschilder gab es auch keine. Aber sei‘s drum, einen Auerhahn haben wir nicht gesehen. Der letzte begegnete mir im Sommer 2013 unweit des Bergasthofes Stübenwasen und der wirkte gar nicht scheu.
Den Weg zu sperren wollte der Forstmensch nun schleunigst nachholen. Immerhin weiß ich jetzt, was ein Prepper ist. Wandern bildet!
Wir passieren die Auerhahnhütte, was sich als recht luftiges Etablissement herausstellt. Wenig später folgen wir dem Westweg in Richtung Stübenwasen. Kurz vor dem Berggasthof zweigt links ein Pfad hinunter ins Tal, der sogenannte Katzensteig. Unter der dünnen Schneeschicht lauert Blankeis, was den Abstieg rutschig macht. Zum Glück haben wir Stöcke dabei.

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Im Tal angekommen, geht es auf der anderen Seite gleich wieder bergauf. Die Abendsonne lässt die feuchten Tannennadeln leuchten. Wir überqueren den Fuchsbach und erreichen kurze Zeit später unser Tagesziel die Luchsfelsenhütte. Leider gibt es am benachbarten Luchsfelsen keine Puschelohren mehr. Wurden sie von Waldwegwanderern vertrieben?
Die Hütte ist recht klein aber mit Bänken, Tisch und Ofen sehr gemütlich. Auf dem Tisch liegt eine Kerze und Mäusedreck, auf dem Boden Brennholz. Genau das müssen wir erst mal ofenfertig machen, also hacken und sägen. Bald flackert ein Feuerchen und es wird ruckzuck warm. Draußen ist es schon dunkel, Zeit fürs Abendessen. Anne hat noch Nudeln und Zwiebelsuppe übrig von unserer Tour durch Nordmazedonien. In Freiburgs bestem Bioladen hatten wir eine Flasche Glühwein gekauft – passend zum Ambiente nennt er sich „Heißer Hirsch“.

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Draußen beginnt es zu frieren, wir hocken im warmen Hüttchen und lassen es uns gut gehen. Es ist besser als Weihnachten und Silvester zusammen. Wir füttern unser Hüttenfeuer noch mal ordentlich, dann wird es Zeit in die Schlafsäcke zu kriechen. Wir machen es uns auf dem Hüttenboden bequem. Durch das Fenster fällt ein schwacher Schimmer, die Wolken weichen den Sternen.

Am nächsten Morgen ist es klar. Die Sonne taucht die Baumspitzen in ein goldenes Licht, der Himmel darüber ist strahlend blau. Wir legen neues Holz für die Nachkommenden in die Hütte und verlassen sie besenrein. Anne möchte bei dem schönen Wetter noch eine kleine Tour machen. So beschließen wir, nicht wie geplant über‘s Gfäll abzusteigen, sondern laufen in Richtung Erlenbacher Hütte und weiter zum Tote-Mann-Gipfel. Hier war ich schon oft zum Schneeschuhlaufen, LVS-Training oder Iglubau. Bei Nebel kann man sich hier oben schnell verlaufen, selbst erfahrenen Bergprofis ist das schon passiert. Heute haben wir aber Fernsicht und sehen die Vogesen am Horizont.

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Der Feldberg hinter uns steckt in Wolken und nur die Funkturmspitze schaut hervor. Bis zum Hüttenwasen geht es durch Wald und ab der Hüttenwasen-Hütte geht es wieder hinab ins Tal. Wanderer kommen uns entgegen. Es scheint, als wollten alle auf den Feldberg. Wir folgen jedoch dem Wilhelmitenpfad bis zur Hohen Brücke am Ende des Tals. Unterwegs finden wir noch Austernseitlinge an einem Buchenstamm. Kurz nach 14 Uhr sind wir an der Bushaltestelle und warten nicht lange bis der Bus nach Kirchzarten kommt. Danach geht es mit der Bahn weiter nach Freiburg. Unsere erste Wanderung im neuen Jahr hat sich gelohnt…

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Ein Gedanke zu „Schwarzwälder Hüttenwanderung (Schwarzwaldtour Januar 2020 – Deutschland)

  1. Ein wirklich schöner Artikel.

    Ich glaube ich bin einer der Beiden Jungs aus der Krummenbachhütte.

    Leider muss ich euch mitteilen, dass die Krummenbachhütte mittlerweile durch die Forstverwaltung geschlossen wurde.
    Leider wissen wohl immer weniger Menschen wie man sich richtig in solchen Hütten bzw. Im Wald verhält. :/

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